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Verlust

Ich möchte euch heute mal den Verlust eines „Patienten“ aus meiner Sicht schildern.

Gestern bekam ich leider wieder einmal eine Nachricht, in der mir mitgeteilt wurde, dass unser Termin nicht mehr stattfinden wird, da der Hund um den es ging, über die Regenbogenbrücke gehen musste.

Wenn ich das lese, ist mein erster Gedanke: „Oh nein!“
Natürlich ist mir meist total bewusst: er war sehr alt (in dem Falle 17 Jahre alt), er war krank, es ging nicht mehr, es ist okay, wenn er geht. Er hat in seinem Leben alles gehabt was er brauchte – vor allem eine tolle Besitzerin, die sich so liebevoll und gut gekümmert hat. Trotzdem ist es immer traurig – auch für mich. Ich habe die Tiere teilweise jahrelang gekannt und behandelt.

Ich sitze also immer vor der Nachricht und weiß nicht wirklich, was ich antworten soll. Auch wenn ich es schon soooo unglaublich oft gemacht habe. Es ist auch für mich immer schwierig die passenden Worte zu finden. Wahrscheinlich gibt es sie gar nicht. Tröstende Worte gibt es nämlich nicht.

Zu den meisten meiner Kunden, habe ich ein sehr gutes Verhältnis. Ich mag die Zeit, die ich mit Ihnen verbringen kann. Bei Hunden ist es oft so, dass ich sehr regelmäßig zu einer Behandlung gehe, und das über mehrere Jahre hinweg. Die Hunde sind alt, können nicht mehr gut laufen oder hatten eine OP, die Besitzer möchten ihnen etwas gutes tun und gönnen ihnen regelmäßig eine Behandlung bei mir. Auch mit dem Wissen, dass der Liebling nie wieder so flott wird, wie er es mal war. Aber die Tiere mögen es und entspannen sich. Das ist es, was die Besitzer glücklich macht.

Während meines Besuches entstehen häufig tolle Gespräche, es wird gelacht und es wurde auch schon geweint. Egal wie alt die Kunden sind (ich habe natürlich alle Altersklassen dabei) es gibt unter ihnen, sehr viele Menschen, mit denen man sich einfach super versteht.
Manchmal bin ich für sie eine Stütze, manchmal Zuhörer, manchmal Berater, manchmal der Hofnarr, manchmal auch Nervensäge …. Was auch immer ich für jeden einzelnen bin, ich bin es gerne.

Warum ich das hier schreibe? Weil ich in den letzten Wochen immer wieder eine Nachricht bekommen habe, in der mir geschrieben wurde, dass ein Tier gestorben ist. In der einen Nachricht stand auch... „Sie waren immer wie eine Freundin, Danke, dass Sie für uns da waren“ …. soll ich euch was sagen!? Es hat mir die Tränen in die Augen getrieben.
Aus therapeutischer Sicht verliere ich einen Patienten, welchen ich oft über Jahre behandelt habe. Aber ich bin auch ein Mensch und wenn ein Tier stirbt, verliere ich auch die Menschen dahinter, mit denen ich mich sehr gut verstanden habe und die ich wirklich sehr mag. Das bricht auch immer mein Herz...

Danke, dass es euch gibt!

Michaela